Warum Makro-Zwischenringe einen genaueren Blick verdienen
Wenn du dich mit günstiger Makrofotografie beschäftigst, bist du fast sicher schon auf Makro-Zwischenringe gestoßen. Sie gelten als einfacher und günstiger Weg ins Makro: hohle Zylinder, die zwischen Kamera und Objektiv montiert werden und ein Standard-Objektiv in ein Nahaufnahme-Werkzeug verwandeln.
Das stimmt. Aber es ist nicht die ganze Wahrheit.
Nach intensiver Praxis mit Zwischenringen für Makrofotografie – von 50mm-Festbrennweiten bis zu Telezooms – zeigt sich: Viele Guides erklären nicht die Details, die draußen wirklich zählen. Die Physik ist simpel, die praktischen Auswirkungen jedoch spürbar.
Hier sind sechs überraschende Wahrheiten über Makro-Zwischenringe, die jeder Makrofotograf kennen sollte.
1. Kein Glas – und genau das ist der Vorteil
Das Überraschendste an einem Zwischenring für die Kamera: Er enthält keinerlei Glas. Keine Linsen. Keine optischen Elemente. Nur Luft.
Das ist kein Nachteil – sondern der entscheidende Vorteil.
Das ist kein Nachteil – sondern der entscheidende Vorteil.
Im Gegensatz zu Nahlinsen oder Telekonvertern fügt ein Zwischenring keine zusätzlichen optischen Elemente hinzu. Das bedeutet:
- Keine zusätzliche chromatische Aberration
- Kein Schärfeverlust durch günstiges Glas
- Keine Farbverschiebungen
Der Effekt entsteht rein mechanisch: Das Objektiv wird weiter vom Sensor entfernt, wodurch sich die Naheinstellgrenze verkürzt. Du kannst näher fokussieren – und näher bedeutet größere Abbildung.
Der Kompromiss: Mit montiertem Zwischenring kannst du nicht mehr auf unendlich fokussieren. Für Makroaufnahmen ist das jedoch meist irrelevant.
2. Mehr Vergrößerung mit kürzeren Brennweiten
Viele Einsteiger denken, lange Teleobjektive profitieren am meisten von Zwischenringen. Tatsächlich ist es genau umgekehrt.
Die einfache Formel lautet:
Zusätzliche Vergrößerung = Länge des Zwischenrings ÷ Brennweite
Beispiele mit einem 25mm Zwischenring:
| Objektiv | Zwischenring | Zusätzliche Vergrößerung |
|---|---|---|
| 50mm | 25mm | +0,5× |
| 100mm | 25mm | +0,25× |
| 200mm | 25mm | +0,125× |
Ein 50mm-Objektiv gewinnt deutlich mehr an Vergrößerung als ein 200mm-Tele.
Deshalb sind Makro-Zwischenringe besonders effektiv mit:
- 35mm–85mm Festbrennweiten
- 18–55mm Kit-Objektiven
- lichtstarken 50mm-Objektiven
Mit einem „Nifty Fifty“ kann ein Zwischenring-Set dich erstaunlich nah an echte 1:1-Makrofotografie bringen – für einen Bruchteil der Kosten eines Makroobjektivs.
3. Der unterschätzte Lichtverlust
Auch ohne Glas verlierst du Licht.
Je weiter das Objektiv vom Sensor entfernt ist, desto stärker verteilt sich das Licht – und desto dunkler wird das Bild.
Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 verliert man typischerweise etwa zwei Blendenstufen Licht.
Das bedeutet in der Praxis:
- Du brauchst deutlich mehr Beleuchtung
- Ein Ringlicht oder LED-Panel wird fast unverzichtbar
- Längere Verschlusszeiten → Stativ empfohlen
- Höhere ISO-Werte können die Bildqualität beeinflussen
Dieser Lichtverlust ist einer der wichtigsten Punkte beim Einsatz von Zwischenringen in der Makrofotografie.
4. Qualitätsunterschiede sind real
Auch wenn Zwischenringe „nur hohle Tuben“ sind, gibt es klare Unterschiede.
Innenbeschichtung
- Hochwertige Modelle besitzen eine Filz- oder Flockbeschichtung, die Streulicht absorbiert.
- Günstige Varianten verwenden lediglich mattschwarze Farbe.
Schlechte Innenbeschichtung kann Kontrastverlust oder Schleier verursachen.
Mechanische Stabilität
Beim Stapeln mehrerer Zwischenringe entstehen zusätzliche Verbindungsstellen. Günstige Modelle können:
- leichtes Spiel im Bajonett haben
- das Objektiv minimal absinken lassen
- Schärfeprobleme verursachen
Wer die besten Makro-Zwischenringe sucht, sollte Bewertungen zur Passgenauigkeit und Stabilität lesen – nicht nur auf den Preis achten.
5. Elektronische Kontakte sind wichtig
Sehr günstige Zwischenringe ohne elektrische Kontakte können Probleme verursachen.
Moderne Objektive benötigen elektronische Kommunikation für:
- Blendensteuerung
- Autofokus
- EXIF-Daten
Ohne Kontakte bleibt das Objektiv oft bei Offenblende. Die Schärfentiefe ist im Makro dann extrem gering.
Zwischenringe mit Kontakten kosten meist nur wenig mehr – erleichtern aber die Arbeit enorm.
6. Zwischenringe + Makroobjektiv = noch mehr Vergrößerung
Ja, du kannst Makro-Zwischenringe mit einem Makroobjektiv kombinieren.
Damit lässt sich die Vergrößerung über 1:1 hinaus steigern – in den Bereich von 1,5:1 oder 2:1. Das ist besonders interessant für Detailaufnahmen von Insekten, Texturen oder technischen Strukturen.
Lohnt sich der Kauf von Makro-Zwischenringen?
Ja – wenn du weißt, was dich erwartet.
Vorteile:
- Sehr günstiger Einstieg in die Makrofotografie
- Keine zusätzliche optische Verschlechterung
- Hohe Vergrößerung mit kurzen Brennweiten
Nachteile:
- Deutlicher Lichtverlust
- Keine Unendlich-Fokussierung
- Qualitätsunterschiede bei günstigen Sets
Für viele Fotografen sind Zwischenringe für Makrofotografie die effizienteste Möglichkeit, ohne großes Budget beeindruckende Nahaufnahmen zu machen.
FAQ: Makro-Zwischenringe
Was sind Makro-Zwischenringe?
Makro-Zwischenringe sind hohle Tuben, die zwischen Kamera und Objektiv montiert werden, um die Naheinstellgrenze zu verkürzen und die Vergrößerung zu erhöhen – ganz ohne zusätzliche Linsen.
Funktionieren Zwischenringe mit jedem Objektiv?
Grundsätzlich ja, sofern der Anschluss passt (z. B. Canon EF, Nikon F, Sony E). Am effektivsten sind sie bei kurzen bis mittleren Brennweiten (35–85mm).
Warum werden Fotos dunkler?
Durch die größere Distanz zwischen Objektiv und Sensor verteilt sich das Licht stärker. Bei 1:1-Makro muss man mit etwa zwei Blendenstufen Lichtverlust rechnen.
👉 Weiterführend: Nutze einen Vergrößerungs-Rechner für Zwischenringe oder experimentiere mit der Umkehrring-Methode für noch extremere Makroaufnahmen.



